Platte

Der Flughafen Tegel arbeitet momentan in Voll-Last, eigentlich noch darüber hinaus. Der Flughafen BER sollte längst eröffnet sein, der Flughafen Tempelhof wurde viel zu früh geschlossen und am Flughafen Schönefeld mögen die großen wichtigen Airlines nicht starten und landen. Das “Theater” ist weltbekannt und darüber muss man auch keine weiteren Worte verlieren, auch wenn es an Peinlichkeit nicht zu überbieten ist. Für die Taxifahrer am Flughafen Tegel sind die Zeiten gut. Nachdem die Kutscher aus dem Landkreis Dahme-Spree (LDS) nicht mehr dort laden dürfen, brummt das Geschäft.

Seit ein paar Monaten darf ich nun auch am Flughafen Tegel Fahrgäste aufnehmen. Zuvor hatte ich keinen Transponder, der einem den elektronischen Zugang zum größten Taxi-Nachrückplatz Berlins gewährt. Meine Chefs waren nicht davon überzeugt, dass man in Tegel Passagiere aufnehmen muss, aber ich konnte sie letztlich doch überreden, mir einen Transponder zu besorgen. Zum einem muss ich nun nicht mehr leer in die Stadt zurückfahren und außerdem gibt es am Flughafen mehrheitlich gute Touren. Aber noch viel spannender ist das was auf dem Nachrückplatz passiert. Dieser Platz wird im Taxijargon einfach “Platte” genannt.

Auf der Platte gibt es 28 Wartespuren, so dass geschätzt etwa 400 Taxen dort warten können, ehe sie sich (durch Mithilfe der APCOA-Mitarbeiter und Monitore) auf die Terminals A, C und E verteilen können, um dann dort die Fahrgäste aufzunehmen. Die Wartezeit beträgt meistens ca. eine Stunde, manchmal geht es aber auch nach 20 Minuten zu den Terminals. Die Wartezeit wird aber von den Fahrern gründlich genutzt. Es gibt eine einigermaßen saubere Toilette, einen Imbiss mit passabler Kraut-Bockwurst und ein paar Kuriositäten.

Auf der Platte treffen sich die Fahrer, die immer hier sind. Sie nutzen die Wartezeit um zu quatschen. Mehrere Grüppchen verteilen sich über den gesamten Platz, meist nach Nationalitäten getrennt. Die Türken, Russen, Polen und die Deutschen bleiben meistens unter sich. Die muslimischen Gläubigen beten direkt auf einem Gebetsteppich. Direkt vor oder hinter ihrem Taxi, das ist kein Scherz. Bei ausreichend Wartezeit wird gebetet, was das Zeug hält. Dann gibt es noch die fliegenden Händler, bei denen man fast alles kaufen kann: Messer-Sets, Zeitungen, Koran-Ausgaben, Stadtpläne etc. Sehr lustig war vor kurzem auch ein Volleyball-Spiel zwischen den parkenden Autos. Die Spieler sprachen zwar alle eine andere Sprache, aber mit dem Ball konnten alle erstaunlich gut umgehen.

Man vertreibt sich also die Wartezeit mehr oder weniger sinnvoll. Groß quatschen tue ich auf der Platte nicht, es sind einfach zu viele fremde Kollegen. Das mache ich dann lieber an meinen Lieblingshalten in der Stadt. Ich bin ja in Tegel, um zu arbeiten. ;-) Grundsätzlich ist die Arbeit auf der Platte ein Zusammenspiel zwischen der Flughafengesellschaft, dem Parkplatzbetreiber APCOA und uns Taxifahrern. Es funktioniert weitgehend zügig und problemfrei, auch wenn mir viele Fahrgäste erzählt haben, dass sie den Taxiservice in Tegel eher als schlecht empfinden. Nun ja. Ich gebe mir jedenfalls Mühe.