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 Thomas Scholz  / pixelio.de

Thomas Scholz / pixelio.de

Menschen im Fuhrgewerbe haben ein Problem. Wenn man mal auf die Toilette muss, dann ist diese nicht auf Anhieb verfügbar. In fast allen Berufsbranchen kann man dagegen problemlos und unmittelbar das stille Örtchen aufsuchen. Speziell die Taxifahrer müssen sich etwas einfallen lassen.

Als ich noch frisch im Job war, habe ich mir für jedes kleine “Geschäft” eine richtige Toilette gesucht. Entweder die öffentlichen Pissoirs (z.B. die von Wall), bei denen immer 50 Cent fällig wurden, oder ich habe bei Tankstellen und Schnellrestaurants gehalten. Manchmal bin ich auch nach Hause gefahren, wenn es sich angeboten hat. Nun das ganze war sehr nervig, zeitraubend und irgendwie auch teuer.

Pro Schicht muss man im Schnitt 3 bis 4 mal aufs Klo. Wenn ich immer eine kostenpflichtige Toilette benutzen würde, wären das bei 20 Schichten pro Monat ungefähr 80 Euro. Das geht natürlich nicht. Wenn ich den Zeitaufwand fürs Parken und die daraus resultierend verpassten Fahraufträge hinzunehme, komme ich auf mindestens 150 Euro Verlust – allein für das menschliche Bedürfnis. Wahnsinn.

So bin ich also zum “Wildpinkler” geworden. Als Nachtfahrer hat man dabei den großen Vorteil, das es dunkel ist und man nicht immer gesehen wird. Bei Fahrten ins äußere Stadtgebiet findet sich eigentlich immer eine stille Stelle. Parkplätze, Grünanlagen mit Gebüsche oder Hausvorsprünge sind im ausreichenden Maße vorhanden. In der City wird es dann doch anspruchsvoller. Man kann ja nicht mitten auf den Kudamm pinkeln. Da ist doch etwas Fantasie gefragt, bzw. eine spezielle Ortskunde vonnöten. Mit der Zeit habe ich mir so meine Stellen quer übers Stadtgebiet gemerkt. Und es funktioniert super.

Aber Vorsicht ist geboten. So mancher Spaziergänger fängt schon mal an zu pöbeln, wenn er ein Wildpinkler erwischt. Lustigerweise sind das meistens Leute, die mit dem Hund Gassi gehen. Da hab ich natürlich gleich das passende Gegenargument parat – was Hunde dürfen, darf auch der Taxifahrer. Eklig kann es auf Grünanlagen werden. Viele Hunde haben hier ihre Haufen hinterlassen und so manche Tretmiene habe ich schon mitgenommen.

Zum Thema Hygiene. Es gibt im Gebüsch kein Handwaschbecken, also behelfe ich mich mit Feuchttücher. Das geht ganz gut. Nebenbei sorge ich für eine natürliche Düngung der Berliner Bäume und Sträucher. ;-)